70,22 Prozent der Warenkörbe im Onlinehandel werden nie zur Bestellung. Diese Zahl ist der Durchschnitt aus 50 einzelnen Erhebungen zwischen 2006 und 2025, zusammengetragen vom Baymard Institute. Sie beschreibt damit keine Momentaufnahme eines einzelnen Jahres, sondern einen über fast zwanzig Jahre hinweg gebildeten Mittelwert. Die gute Nachricht steckt in der zweiten Zahlenreihe des Baymard Institute. Fragt man Abbrecher nach dem Grund und lässt die reinen Stöberer außen vor, steht an erster Stelle kein Designproblem und keine fehlende Funktion, sondern zu hohe Zusatzkosten für Versand, Steuern und Gebühren (40 Prozent). Das ist keine Programmieraufgabe. Das ist eine Frage davon, wann du einen Betrag zeigst. Dieser Beitrag geht die Gründe in der Reihenfolge durch, in der sie tatsächlich gemessen werden, nicht in der Reihenfolge, in der sie üblicherweise erzählt werden. Denn die beiden weichen voneinander ab, und das ist der Grund, warum viele Checkout-Projekte am falschen Ende anfangen.

Warum Kaufabbrüche so teuer sind
Ein Abbruch im Checkout kostet mehr als eine entgangene Bestellung, weil der gesamte Aufwand davor schon bezahlt ist. Du hast für diesen Besucher möglicherweise Werbung ausgespielt, Zeit in die Produktbeschreibung gesteckt und Serverleistung verbraucht. Scheitert der letzte Schritt, verpufft all das.
Diese Kunden waren schon entschieden
Stell dir einen Laden vor, in dem sieben von zehn Kunden ihre Waren aufs Band legen, sich umdrehen und gehen. Genau das ist die Größenordnung, die das Baymard Institute mit 70,22 Prozent für den Onlinehandel ausweist. Das Entscheidende daran: Diese Leute waren bereits kaufbereit. Sie haben ein Produkt ausgewählt und sind bis zur Kasse vorgedrungen. Der Abbruch passiert also nicht aus Desinteresse, sondern an einer konkreten Hürde. Daraus folgt eine unbequeme Rechnung. Wer mehr Umsatz will, kauft meist mehr Besucher ein. Wer am Checkout arbeitet, holt mehr aus den Besuchern heraus, die ohnehin schon da sind. Der zweite Weg hat kein Mediabudget als Obergrenze, sondern nur die Zahl der Hürden, die sich noch finden lassen.
Woran der Checkout wirklich scheitert
Die gemessenen Abbruchgründe sehen anders aus als die gängigen Ratschläge. Das Baymard Institute hat Abbrecher befragt und dabei das Segment der reinen Stöberer ausgenommen, also jene, die ohnehin nur geschaut haben. Übrig bleibt diese Verteilung.
| Grund für den Abbruch | Anteil der Befragten (Baymard Institute) |
|---|---|
| Zusatzkosten zu hoch (Versand, Steuern, Gebühren) | 40 Prozent |
| Lieferung zu langsam | 20 Prozent |
| kein Vertrauen bei den Kreditkartendaten | 19 Prozent |
| die Seite verlangte ein Kundenkonto | 18 Prozent |
| Checkout zu lang oder zu kompliziert | 17 Prozent |
| Fehler auf der Seite oder Absturz | 17 Prozent |
| Rückgaberichtlinie nicht zufriedenstellend | 13 Prozent |
| Gesamtkosten vorab nicht sichtbar | 12 Prozent |
| Kreditkarte wurde abgelehnt | 10 Prozent |
| zu wenige Zahlungsmethoden | 9 Prozent |
| weiß nicht | 7 Prozent |
Zwei Dinge fallen an dieser Erhebung des Baymard Institute auf. Erstens sind die beiden Spitzenplätze, Zusatzkosten und Lieferzeit, überhaupt keine Fragen der Checkout-Gestaltung. Sie entscheiden sich in deiner Versandeinstellung und darin, wann du den Betrag zeigst. Zweitens landet die Länge des Prozesses mit 17 Prozent erst im Mittelfeld, also deutlich hinter dem, was die meisten Anleitungen als erste Maßnahme nennen.
Das Missverständnis mit dem mehrstufigen Checkout
Die Empfehlung, den Checkout auf eine Seite zu bringen, geht oft von einer Voraussetzung aus, die bei WooCommerce meist nicht zutrifft. Laut WooCommerce-Dokumentation fasst der Checkout-Block alle wichtigen Schritte des Kaufabschlusses auf einer Seite zusammen, und für Shops, die nach dem Erscheinen von Version 8.3 im November 2023 gestartet sind, sind die Cart- und Checkout-Blöcke die Standardausführung. Nur wer früher gestartet ist, kann noch auf der klassischen Shortcode-Variante liegen. Deshalb ist der erste Schritt kein Umbau, sondern ein Blick: Sieh dir an, welche Variante in deinem Shop tatsächlich aktiv ist. Beides lässt sich laut derselben Dokumentation ineinander umwandeln. Ein Problem zu beheben, das du nicht hast, kostet nur Zeit.
Das Problem mit zu vielen Feldern bleibt eines
Jedes Feld, das niemand braucht, ist ein Reibungspunkt, und 17 Prozent der vom Baymard Institute Befragten nennen einen zu langen oder zu komplizierten Checkout. Nur ist es eben nicht der stärkste Hebel, sondern einer von mehreren. Wer Firma, Telefonnummer und Geburtsdatum abfragt, ohne sie zu brauchen, sollte sie entfernen. Wer das tut und danach keine Veränderung sieht, hat deshalb nichts falsch gemacht, sondern an der falschen Stelle begonnen.
Die Maßnahmen in der Reihenfolge ihrer Wirkung
Die folgenden Schritte sind nach den gemessenen Abbruchgründen sortiert, nicht nach Aufwand. Wer oben anfängt, arbeitet an dem, was die meisten Befragten tatsächlich genannt haben.
Schritt 1: Zusatzkosten früh zeigen, nicht an der Kasse
Das ist der stärkste Einzelhebel, den die Daten hergeben: 40 Prozent nennen zu hohe Zusatzkosten, und 12 Prozent, dass sie die Gesamtkosten vorab nicht sehen konnten (Baymard Institute). Beides zeigt in dieselbe Richtung. Eine Überraschung im letzten Schritt wirkt wie eine Preiserhöhung, auch wenn der Betrag von Anfang an derselbe war. Auf der Warenkorbseite steht dafür laut WooCommerce-Dokumentation der Link "Calculate Shipping" bereit, über den Kunden die Versandoptionen einsehen können. Noch früher wirkt ein klarer Hinweis auf der Produktseite, etwa die Schwelle für kostenlosen Versand.
Schritt 2: Lieferzeit benennen, bevor sie gefragt wird
Mit 20 Prozent ist eine zu langsame Lieferung der zweithäufigste genannte Grund (Baymard Institute). Das ist zum Teil eine Frage deiner Logistik, zum Teil aber eine der Kommunikation: Eine Angabe wie "Versand morgen, Zustellung in zwei bis drei Tagen" steht an der Stelle, an der sonst eine offene Frage steht. Wer schnell liefert und es nicht sagt, hat den Vorteil nicht.
Schritt 3: Vertrauen dort zeigen, wo die Kartendaten eingegeben werden
19 Prozent der vom Baymard Institute Befragten gaben an, der Seite ihre Kreditkartendaten nicht zu vertrauen. Dagegen hilft kein Siegel auf der Startseite, sondern eines im Blickfeld des Zahlungsfeldes: das Schloss der verschlüsselten Verbindung, die bekannten Zahlungslogos, ein kurzer Satz zur Datenverarbeitung. Die Platzierung ist hier wichtiger als die Menge.
Schritt 4: Gastbestellung einschalten
18 Prozent brechen laut Baymard Institute ab, weil die Seite ein Kundenkonto verlangt. Das ist einer der wenigen Punkte, der sich mit einer einzigen Einstellung erledigen lässt: unter WooCommerce, dann Einstellungen, dann Konten und Datenschutz. Wer Kundenkonten aus gutem Grund will, bietet beides an und stellt die Bestellung ohne Konto nach vorne.
Schritt 5: Felder auf das Nötige reduzieren
Geh den Checkout einmal als neuer Kunde durch und frage bei jedem Feld, ob du es für Bestellung und Lieferung wirklich brauchst. Dafür gibt es den kostenlosen "Checkout Field Editor (Checkout Manager) for WooCommerce", laut WordPress-Verzeichnis bei über 400.000 aktiven Installationen. Er kann Standardfelder hinzufügen, bearbeiten, ausblenden, löschen und per Drag-and-Drop neu anordnen, ohne eine Zeile Code. Die Feldbearbeitung bezieht sich dabei auf den klassischen Checkout, was ein weiterer Grund ist, zuerst zu klären, welche Variante bei dir aktiv ist.
Schritt 6: Nach echten Fehlern suchen
Ebenfalls 17 Prozent nennen laut Baymard Institute Fehler auf der Seite oder einen Absturz, und das ist der Grund, den du am ehesten übersiehst, weil er bei dir nicht auftritt. Eine Zahlungsart, die auf einem bestimmten Gerät scheitert, ein Feld, das auf dem Smartphone nicht erreichbar ist: so etwas findet man nicht durch Nachdenken, sondern durch Beobachten. Wie du solche Stellen sichtbar machst, steht in WooCommerce Kundenabsprünge analysieren und stoppen, und wie du Fehler bemerkst, bevor ein Kunde sie meldet, in WooCommerce Monitoring. Prüfe den mobilen Checkout dabei auf echten Geräten und nicht nur im Simulator des Browsers.
Zahlungsmethoden: der kleinere Hebel, als oft behauptet
Zu wenige Zahlungsmethoden stehen in der Erhebung des Baymard Institute bei 9 Prozent, und damit auf dem vorletzten Platz der genannten Gründe. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, eine fehlende Zahlungsart sei der Hauptgrund für Abbrüche. Daneben steht allerdings ein zweiter Wert aus derselben Erhebung: 10 Prozent geben an, dass ihre Kreditkarte abgelehnt wurde. Der Zahlungsbereich ist also nicht unwichtig, sein Schwerpunkt liegt nur woanders als vermutet.
Was im deutschsprachigen Raum erwartet wird
PayPal, Kauf auf Rechnung und Kreditkarte deckt die gängigen Erwartungen ab. Ratenzahlung und späteres Zahlen können bei höherpreisigen Produkten dazukommen. Für die technische Seite bündelt WooCommerce die eigene Lösung unter dem Namen WooPayments. Sie unterstützt laut Produktseite Karten, lokale Verfahren wie iDEAL, eps und Bancontact sowie Dienste wie Apple Pay, Google Pay und Klarna. Wer in einer älteren Anleitung über einen abweichenden Produktnamen stolpert, prüft ihn am besten direkt auf der Produktseite nach, denn Namen in diesem Umfeld ändern sich. Der zweite Teil des Zahlungsbereichs ist kein Angebotsproblem, sondern passiert nach dem Klick: Eine abgelehnte Karte oder ein abgebrochenes Verfahren hinterlässt eine Bestellung, die nie bezahlt wurde. Das ist etwas anderes als ein Warenkorbabbruch, weil der Kunde den Checkout vollständig durchlaufen hat. Was dann sinnvoll passiert, steht in WooCommerce Zahlungsausfälle automatisch nachverfolgen.
Ladezeit im Checkout
Ein langsamer Checkout verstärkt jeden anderen Grund auf der Liste, und er hängt mit dem Punkt zusammen, den 17 Prozent der vom Baymard Institute Befragten als Fehler oder Absturz melden. Zwei Dinge sind dabei WooCommerce-spezifisch. Erstens darf der Checkout selbst nicht aus dem Zwischenspeicher kommen, weil Warenkorb, Preise und Verfügbarkeit dort aktuell sein müssen. Die statischen Dateien darum herum dürfen und sollen gecacht werden. Zweitens laden viele Shops im Checkout Skripte mit, die für den Kaufabschluss nichts beitragen: Tracking-Pixel, Chat-Fenster, Slider-Bibliotheken. Ein gezieltes Script-Management beseitigt das, ohne dass die Funktion leidet. Wie du die tatsächliche Bremse messbar findest statt sie zu vermuten, steht ausführlich in WooCommerce Ladezeit: Warum dein Shop langsam ist.
Was nach dem Abbruch noch möglich ist
Auch ein sauber aufgeräumter Checkout wird Abbrüche haben, der Durchschnitt von 70,22 Prozent aus den Daten des Baymard Institute entsteht nicht aus schlechten Shops allein. Die Frage ist, was danach passiert. Eine Erinnerungsmail an einen Warenkorb, der liegen geblieben ist, erreicht Menschen, die ihr Interesse schon gezeigt haben. Wichtig ist der Ton: ein Hinweis, dass der Warenkorb noch da ist, plus ein direkter Weg zurück. Ein Rabatt wirkt kurzfristig und hat einen Preis, nämlich dass Kunden lernen, auf ihn zu warten. Wie du die Mails sauber einrichtest, damit sie überhaupt ankommen und nicht im Spam landen, steht in WooCommerce Transaktionsmails. Eine Zahl zur Rückholquote nennt dieser Beitrag bewusst nicht. Die Werte, die dazu im Umlauf sind, hängen an Branche, Warenwert und Zeitpunkt und lassen sich nicht sinnvoll als Erwartung übertragen. Messbar ist sie nur im eigenen Shop.
Kurz zusammengefasst
Der Checkout ist die Stelle, an der sich die teuerste Arbeit entscheidet, und die Datenlage sagt klar, wo man anfangen sollte. Die wichtigsten Punkte auf einen Blick, die Anteile stammen aus der Erhebung des Baymard Institute zu den Abbruchgründen:
- Zusatzkosten sind mit 40 Prozent der häufigste genannte Abbruchgrund, zeige sie früh statt an der Kasse
- Lieferzeit mit 20 Prozent an zweiter Stelle, benenne sie aktiv
- Vertrauenssignale gehören neben das Zahlungsfeld, nicht auf die Startseite
- Gastbestellung einschalten, 18 Prozent brechen am Kontozwang ab
- Felder reduzieren bleibt richtig, ist aber mit 17 Prozent nicht der erste Hebel
- Prüfe zuerst, ob dein Checkout überhaupt mehrstufig ist, seit Version 8.3 ist der einseitige Block der Standard
- Fehler und Abstürze nennen ebenfalls 17 Prozent, die findet nur Beobachtung
Wenn du einen Punkt daraus mitnimmst, dann diesen: Die Reihenfolge der üblichen Ratschläge entspricht nicht der Reihenfolge der gemessenen Gründe. Eine Testbestellung durch jemanden, der deinen Shop nicht kennt, zeigt in zehn Minuten mehr als eine Woche Vermutungen.
Worauf sich das stützt
Was du noch wissen solltest
70,22 Prozent. Das ist der Durchschnitt aus 50 einzelnen Erhebungen zwischen 2006 und 2025, zusammengetragen vom Baymard Institute. Es handelt sich also nicht um die Momentaufnahme eines einzelnen Jahres, sondern um einen über diesen Zeitraum gebildeten Mittelwert.
Zu hohe Zusatzkosten für Versand, Steuern und Gebühren, genannt von 40 Prozent der Abbrecher. Das ist der Spitzenwert in der Gründe-Erhebung des Baymard Institute, bei der die reinen Stöberer ausgenommen sind. Erst danach folgen eine zu lange Lieferzeit mit 20 Prozent und fehlendes Vertrauen bei den Kartendaten mit 19 Prozent.
Nein. Laut WooCommerce-Dokumentation fasst der Checkout-Block alle wichtigen Schritte des Kaufabschlusses auf einer Seite zusammen, und für Shops, die nach dem Erscheinen von Version 8.3 im November 2023 gestartet sind, sind die Cart- und Checkout-Blöcke die Standardausführung. Nur älter gestartete Shops können noch auf der klassischen Shortcode-Variante stehen. Prüfe also zuerst, was bei dir tatsächlich liegt, bevor du etwas gegen ein Problem unternimmst.
Meist nicht, und das oft genannte One Page Checkout löst eine andere Aufgabe. Laut WooCommerce-Dokumentation zeigt es Produktauswahl und Bestellformular gemeinsam auf einer Produktseite, einem Beitrag oder einer Seite, gedacht für Landingpages und Verkaufsstrecken. Es fasst keine mehrstufige Kasse zusammen. Es kostet 71 Euro im Jahr, Stand Oktober 2026.
Unter WooCommerce, dann Einstellungen, dann Konten und Datenschutz. Dort lässt sich die Gastbestellung laut WooCommerce-Dokumentation aktivieren und deaktivieren. Der Hebel ist messbar: 18 Prozent der Abbrecher nennen laut Baymard Institute den Zwang zur Kontoanlage als Grund.