Bevor es Code gab, gab es eine Frage: Was wäre, wenn ich mir meine eigene KI-Assistenz baue? Nicht als Produkt, sondern um zu lernen. Mit diesem Kapitel beginnt eine Serie, in der ich erzähle, wie daraus K.I.R.A. wurde, Schritt für Schritt und in der Reihenfolge, in der es wirklich passiert ist.

Was ich wollte
Ich wollte verstehen, wie eine persönliche KI-Assistenz entsteht. Nicht nur darüber lesen, sondern sie selbst bauen. Zwei Gründe standen dabei im Vordergrund: Ich wollte lernen, und ich wollte am Ende eine echte Unterstützung haben, für meinen Alltag genauso wie für meine Selbstständigkeit.
Eine weitere Chatoberfläche war mir dafür zu wenig. Ich wollte etwas Eigenes, das ich nach meinen Vorstellungen gestalten und Schritt für Schritt erweitern kann.
Als Bild im Kopf hatte ich JARVIS, den Assistenten aus den Iron-Man-Filmen. Nicht als Ziel, das ich erreichen muss, sondern als Richtung: ein Assistent, der mitdenkt, statt nur auf Fragen zu antworten. Mir war klar, dass ich davon noch weit entfernt bin.
Was ich gemacht habe
Wie ich das umsetzen sollte, wusste ich am Anfang nicht. Dann sah ich auf YouTube ein Video, in dem Claude Code als das Werkzeug gefeiert wurde, das alles andere am Markt schlägt. Neugierig geworden, habe ich Claude im Chat selbst gefragt, womit ich beginnen könnte und wie ich das umsetze. Die Antwort war Claude Code in Visual Studio Code.
Am 3. März 2026 um 18:22 Uhr saß ich zum ersten Mal in Claude Code. So steht es bis heute im Zähler meiner Plattform. Fünf Tage später, am 8. März, habe ich in einem Konzept festgehalten, was meine KI-Assistenz sein soll und wofür sie da ist.
„Kein Tool, kein Bot: ein Begleiter, der mitdenkt, berät, pusht und sich weiterentwickelt.“
Aus meinem Konzept vom 8. März 2026
Vier Bereiche standen auf dem Plan:
- Tagesplanung und Reflexion: Was steht heute an, was wurde geschafft, was lerne ich daraus?
- Gesundheit und Sport: Bewegung und Erholung im Blick behalten.
- Business und Projekte: offene Aufgaben, Kunden, der Stand meiner Projekte.
- Weiterentwicklung und Lernen: Ziele, Gewohnheiten und Erkenntnisse festhalten.
Zwei Wege, ein Gehirn
Die wichtigste Entscheidung stand schon in diesem Konzept. Ich wollte mit meiner KI-Assistenz auf zwei Wegen arbeiten: am Rechner über Visual Studio Code mit Claude, und unterwegs über eine Webseite im Browser oder am Handy. Beide sollten in dieselbe Datenbank schreiben. Sinngemäß steht im Konzept: Kein Weg ist führend, beide sind gleichwertig.
Warum mir das so wichtig war: Was ich am Schreibtisch bespreche, will ich unterwegs wiederfinden, und umgekehrt. Sonst hätte ich zwei halbe Assistenten statt einem ganzen.
Was schwierig war
Ich habe am Anfang denselben Fehler gemacht wie viele andere auch: Ich habe die KI gefragt, wie es weitergehen könnte und was wir als Nächstes machen sollen.
Das klingt vernünftig, führt aber genau dorthin, wo man nicht hinwill. Die KI macht tolle Vorschläge, einer klingt besser als der andere. Man verbringt Stunden damit, und plötzlich merkt man: Da will ich gar nicht hin. Das passt nicht zu mir. Ich brauche etwas ganz anderes.
An diesem Punkt kam die Erkenntnis: Die Richtung kann mir die KI nicht abnehmen. Die muss ich selbst vorgeben.
Und genau da begann der eigentliche Lernprozess. Ich habe mir selbst Gedanken gemacht: Womit verbringe ich die meiste Zeit? Und was würde mir davon die meiste Arbeit abnehmen?
Was ich mir damals im Einzelnen geantwortet habe, weiß ich heute nicht mehr. Ablesen lässt es sich aber an dem, was als Erstes entstanden ist. In den ersten beiden Tagen kamen zum Login ein Tagesplan dazu, der Unerledigtes von selbst auf den aktuellen Tag mitnimmt, Notizen, die sich mit einem Klick festhalten lassen, ein Sport-Tagebuch und Ziele mit einzelnen Schritten. Zuerst ging es also um meinen Alltag. Die Projekte und Kunden kamen gut eine Woche später dazu.
Was du daraus mitnehmen kannst
- Fang mit dem Warum an, nicht mit dem Werkzeug. Bei mir hieß es: lernen und Unterstützung im Alltag. Die hilfreichste Frage dazu: Womit verbringe ich die meiste Zeit? Dort steckt die Arbeit, die dir eine KI am ehesten abnimmt.
- Schreib auf, wofür deine KI-Assistenz da sein soll, bevor du sie baust. Eine Seite reicht. Sie bewahrt dich davor, an allem gleichzeitig zu bauen.
- Leg früh fest, wo dein Wissen liegt. Wenn alle Wege in dieselbe Ablage führen, bleibt nichts in einem einzelnen Chat hängen.
- Frag die KI nach dem Wie, nicht nach dem Was. Welches Werkzeug passt, konnte mir Claude im Chat sagen. Wohin ich will, musste ich selbst wissen.
- Eine große Vision darf sein. Sie ist eine Richtung, kein Versprechen. Halte sie getrennt von dem, was heute wirklich funktioniert.
Merksatz:
Zuerst der Zweck, dann die Technik.
Wie es weitergeht
Nur einen Tag nach dem Konzept, am 9. März, stand bereits die erste Version: eine eigene Plattform, geschützt durch einen Login und mit einer persönlichen Willkommensnachricht. Warum ausgerechnet der Login der erste Schritt war und wie ich die Plattform zum Leben erweckte, erzähle ich in Kapitel 2.
Was du noch wissen solltest
Visual Studio Code ist ein kostenloses Programm von Microsoft, in dem man Dateien und Code bearbeitet. Claude Code ist ein Werkzeug von Anthropic, das darin läuft. Der Unterschied zu einem Chat: Claude Code antwortet nicht nur, sondern liest die Dateien eines Projekts, schreibt Code und führt Befehle aus. Man beschreibt in normaler Sprache, was entstehen soll, und sieht sich das Ergebnis an.
Nicht im klassischen Sinn. Den Code schreibt die KI. Was du mitbringen musst, ist ein klares Ziel, Geduld und die Gewohnheit, jedes Ergebnis selbst anzusehen, statt der Erfolgsmeldung der KI zu glauben. Wie das bei mir konkret aussah, zeigen die nächsten Kapitel.
Ein Chat kennt deine Daten nur so weit, wie du sie ihm hineinkopierst, und vieles ist mit dem Ende des Gesprächs wieder weg. Eine eigene Assistenz arbeitet mit deiner eigenen Ablage: Aufgaben, Notizen, Regeln und Wissen liegen in einer Datenbank, auf die jedes Gespräch zugreift. Und sie lässt sich so erweitern, wie du es brauchst.
Für Künstliche Intelligenz für Reflexion und Ambitionen. Wie der Name entstanden ist, erzähle ich in Kapitel 3.
