Parallel zu Namen und Gesicht entstand gleich zu Beginn der Ort, an dem ich wirklich mit meiner KI-Assistenz arbeite: ein kleines Dashboard mit Tagesplan, Notizen und Zielen, gewachsen am 9. und 10. März. Mit dabei war eine Funktion, die mir sieben Monate später 51 offene Punkte auf einen einzigen Tag gelegt hat.

Für dich in 30 Sekunden
- Jede Automatik braucht eine Grenze. Was heute praktisch ist, kann nach einem halben Jahr den Überblick kosten.
- Frag bei jeder Liste: Wer schreibt hier eigentlich hinein? Eine Anzeige ohne Quelle bleibt leer, oder sie füllt sich mit dem Falschen.
- Ein Wert, den du selbst einstellst, ist ein Gefühl. Ein Wert aus abgehakten Schritten ist eine Messung.
Lesezeit rund 9 Minuten
Was ich wollte: Tagesplan und Ziele an einem Ort
Schon im ersten Konzept stand ein Bereich, der mir besonders wichtig war: Tagesplanung und Reflexion. Was steht heute an, was wurde geschafft, was lerne ich daraus? Mit dem A im Namen, von dem Kapitel 3 erzählt, kam der zweite dazu: Ziele setzen und den Fortschritt messen.
Das alles sollte nicht in einzelnen Chats verstreut sein, sondern an einem Ort zusammenlaufen, an dem ich beim Aufmachen sofort sehe, was dran ist. In meinen Notizen von damals steht die Reihenfolge ganz knapp: zuerst ein kleines Dashboard, danach Gedächtnis und Regeln.
Ein Dashboard ist nichts anderes als eine Startseite mit Überblick. Wie das Armaturenbrett im Auto: Man sieht auf einen Blick das Wichtigste, ohne irgendwo hineinklicken zu müssen.
Was ich gemacht habe: das erste Dashboard für die KI-Assistenz
Eine erste Startseite gab es schon mit der allerersten Version am 9. März, gleich hinter der Anmeldung: eine Begrüßung, ein paar Kacheln für die einzelnen Bereiche, darunter der Tagesplan zum Abhaken und eine Liste „Letzte Aktivitäten“. In diesen ersten zwei Tagen wurde daraus Stück für Stück ein Werkzeug, mit dem ich wirklich arbeite.

Der Tagesplan: abhaken, eintragen, weiterschieben
- Abhaken mit einem Klick. Von Anfang an, ohne dass die Seite neu lädt.
- Neue Aufgaben direkt im Dashboard. Mit Eingabefeld, Kategorie und einem Button zum Löschen.
- Nichts geht verloren. Schon ab dem 9. März wanderte alles, was am Vortag offen geblieben war, automatisch auf heute. Ein gelber Hinweis sagte, dass etwas verschoben wurde, und eine Prüfung verhinderte, dass derselbe Punkt doppelt dasteht.
Den letzten Punkt fand ich damals besonders praktisch. Was daraus geworden ist, erzähle ich weiter unten.
Notizen: ein lila Plus für jeden Gedanken
Noch am ersten Tag kam rechts unten ein runder lila Button mit einem Plus dazu. Ein Klick, ein Textfeld, eine Kategorie, gespeichert mit Strg und Enter. Wichtiges ließ sich oben anpinnen. Am nächsten Tag bekamen die Notizen eine eigene Seite mit Suche und Filter.
Ziele: Quartal und Jahr
Am 10. März folgten die Ziele. Jedes Ziel hat eine Kategorie, eine Frist mit Warnung, wenn sie überschritten ist, einen Status (aktiv, erreicht, pausiert oder abgebrochen) und einen Balken, der den Fortschritt zeigt. Damit hatte das A aus dem Namen seinen Platz auf der Startseite.
Eine Begrüßung mit Augenzwinkern
Eine Begrüßung hatte ich mir von Anfang an gewünscht. Dann erzählte mir ein Freund, er habe so etwas schon einmal gesehen, mit wechselnden Sprüchen aus Star Trek. Da kam mir die Idee: Sprüche aus meinen Lieblingsfilmen und Lieblingsserien.
Am 10. März bekam die Begrüßung deshalb eine Unterzeile, bei jedem Aufruf ein anderer Spruch. Am Anfang waren es 32 aus Star Wars, Star Trek, Marvel und Stargate. Ende März kamen unter anderem Herr der Ringe und Der Hobbit dazu, heute sind es 150, darunter Abwandlungen wie „Möge die Macht mit deinem Tagesplan sein.“ Ein unnötiges Detail, ganz sicher. Aber eines, das die Startseite zu meiner gemacht hat.
So sah das am Abend des 10. März zusammen aus:

Das Wichtigste sieht man nicht
Die für mich wichtigste Neuerung dieser zwei Tage steht auf keiner Seite. Am 10. März bekam der Tagesplan eine Schnittstelle: eine Tür, durch die kein Mensch geht, sondern ein Programm. Claude Code, also KIRA in VS Code, konnte den Tagesplan damit lesen, ohne Browser und ohne Anmeldung, nur mit einem eigenen Schlüssel. Die Ziele bekamen am selben Tag denselben Zugang.
Zwei Dinge daran waren mir wichtig. Erstens sehen wir seitdem beide dasselbe: Das Dashboard ist für mich, die Schnittstelle ist für KIRA. Zweitens durfte KIRA über diesen Weg nur lesen, nicht ändern. Lesen reicht, damit sie weiß, was ansteht, und dabei kann nichts kaputtgehen.
Schon am Tag davor war ein Menü dazugekommen und eine Hilfe-Seite. Sie listete die ersten Kurzbefehle, die ich in VS Code verwende, etwa /morgen und /done. Das Dashboard war damit von Anfang an nicht nur eine Webseite, sondern die gemeinsame Ablage für mich und meine KI-Assistenz.
Was schwierig war: eine leere Liste und 51 offene Punkte
Zwei Dinge habe ich in diesen zwei Tagen gelernt. Ein drittes wurde erst Monate später sichtbar.
Eine Liste, die niemand füllt
Die Liste „Letzte Aktivitäten“ stand seit der ersten Version auf der Startseite. Gefüllt hat sie sich aber erst am 10. März. Vorher gab es schlicht nichts, das etwas hineinschrieb. Erst als jede Aktion an einer zentralen Stelle für alle Bereiche automatisch einen Eintrag hinterließ, füllte sich die Liste von selbst. Eine Aktion war etwa eine erledigte Aufgabe, ein angelegtes oder erreichtes Ziel oder eine geschriebene Notiz.
Ein Fortschritt, den ich selbst einstelle
Den Fortschritt eines Ziels habe ich anfangs mit einem Schieberegler eingestellt, von 0 bis 100 Prozent. Noch am selben Tag war der Regler wieder weg: Jedes Ziel bekam Teilschritte zum Abhaken, und der Balken errechnet sich seitdem aus den erledigten Schritten. Einen Grund dafür nennt das Änderungsprotokoll nicht. Der Unterschied ist aber leicht zu sehen. Ein Wert, den ich selbst einstelle, ist ein Gefühl. Ein Wert aus abgehakten Schritten ist eine Messung.
Was aus dem Tagesplan geworden ist
Der Verschieber vom 9. März lief danach monatelang unverändert. Jeden Tag schob er jeden offenen Punkt auf heute. Solange nur ich Aufgaben eintrug, ging das gut. Später legten KIRA und ihre Helfer selbst Punkte an, und nichts davon verschwand mehr.
Am 13. Oktober standen 51 offene Punkte an einem einzigen Tag. Der älteste stammte vom 29. Juli, und 42 davon hatte KIRA selbst angelegt. Meine Reaktion damals: „Es kann nicht sein, dass wir 50 Aufgaben stehen haben, da verliert man den Überblick.“

Noch am selben Tag haben wir umgebaut. Der Tagesplan ist seitdem eine Reihe: ein Punkt pro Tag, Neues kommt ans Ende. Bleibt etwas liegen, rutscht die Reihe dahinter nach hinten, statt sich auf heute zu stapeln. Termine bleiben an ihrem Tag, tägliche Routinen bleiben täglich. Und KIRA legt nur noch einen Eintrag an, wenn ich selbst etwas tun oder entscheiden muss.
Der Verschieber war am 9. März eine gute Idee. Er hatte nur keine Grenze.
Was du daraus mitnehmen kannst: Tipps für dein eigenes Dashboard
- Fang mit dem an, was du jeden Tag brauchst. Ein Tagesplan, Notizen und Ziele reichen für den Anfang völlig.
- Bau für dich und für die KI. Eine Oberfläche für dich, eine Schnittstelle für die KI, damit ihr beide dasselbe seht. Fang dabei mit Lesen an.
- Jede Anzeige braucht eine Quelle. Frag bei jeder Liste: Wer schreibt hier eigentlich hinein?
- Rechne Fortschritt aus, statt ihn einzustellen. Teilschritte zum Abhaken sind ehrlicher als ein Regler.
- Gib jeder Automatik eine Grenze. Frag dich: Was passiert, wenn das ein halbes Jahr lang läuft?
Ohne selbst zu programmieren
Dieselbe Falle steckt in fast jedem Programm, das du schon nutzt: Aufgaben, die von selbst auf morgen rutschen, Erinnerungen, die sich wiederholen, Regeln im Postfach, die Mails verschieben, Abos, die sich verlängern. Nimm dir eine davon vor und stell dir die Frage aus diesem Kapitel: Was passiert, wenn das ein halbes Jahr lang so weiterläuft, und wer räumt dann auf? Wenn du die Antwort nicht weißt, frag die KI im Chat und beschreib ihr genau, was die Automatik tut.
Fragen, die du der KI stellen kannst
- „Bau mir eine Startseite mit einem Tagesplan zum Abhaken, schnellen Notizen und Zielen mit Fortschritt. Was brauche ich dafür mindestens?“
- „Wie kann Claude Code meinen Tagesplan lesen, ohne ihn ändern zu dürfen?“
- „Diese Funktion schiebt offene Aufgaben jeden Tag weiter. Rechne mir vor, wie viele nach einem halben Jahr dastehen, wenn ich jeden Tag eine liegen lasse, und zeig mir die Stelle im Code, die das begrenzt.“ Gibt es die Stelle nicht, weißt du, was fehlt.
Merksatz:
Jede Automatik braucht eine Grenze.
Wie es weitergeht: Regeln für KIRA
Das Dashboard zeigte, was ich mir vornahm, und KIRA konnte es lesen. Je mehr eine KI darf, desto wichtiger wird die Frage, was sie niemals tun darf. Am 11. März habe ich das deshalb aufgeschrieben, in einem Manifest. Knapp sechs Monate später stimmten drei Sätze darin nicht mehr. Warum so etwas still passiert und wie man es merkt, erzähle ich in Kapitel 6.
Was du noch wissen solltest
Das Programm schickt eine Anfrage an eine bestimmte Adresse, ähnlich wie ein Browser, legt seinen Schlüssel bei und bekommt statt einer fertigen Seite nur die reinen Daten zurück. Meist kommen sie in einem Format namens JSON, einer geordneten Textform, die Programme leicht lesen können. Fachleute nennen so eine Schnittstelle API.
Behandle ihn wie ein Passwort: nicht per Nachricht verschicken, nicht in Dateien ablegen, die andere sehen können, und nicht mit anderen Programmen teilen. Gib jedem Schlüssel nur die Rechte, die er braucht, also zum Beispiel nur Lesen. Und wenn du glaubst, dass er in falsche Hände geraten ist, erzeuge einen neuen und mach den alten ungültig.
In Claude Code kann man eigene Befehle anlegen, die mit einem Schrägstrich beginnen. Hinter jedem steht eine kurze Anleitung in einer Textdatei, und wer den Befehl tippt, lässt Claude genau diese Anleitung abarbeiten. So muss man einen Ablauf, den man oft braucht, nur einmal beschreiben.
Dafür sorgt üblicherweise ein kleines Programm in der Seite, geschrieben in JavaScript. Es schickt die Änderung im Hintergrund an den Server und passt danach nur den einen Eintrag an, der Rest der Seite bleibt, wie er ist. Das ist schneller und angenehmer, weil man nicht nach jedem Klick wieder oben auf der Seite landet.
